Wie kann ein Unternehmen das gut läuft in die Insolvenz geraten?
Ich möchte heute an meinem Beispiel erzählen, wie man als Unternehmen in die Insolvenz geraten kann. Das Ganze begann im Jänner 2004, als ich beschlossen habe, für Fremde Menschen deren Ware in Kommission bei einer Internet Auktionsplattform zu verkaufen, die komplette Abwicklung zu übernehmen und den Erlös abzüglich Kosten und einer Provision an den Verkäufer auszuzahlen. Diese Form von Verkauf ist zum Beispiel beim Second-Hand-Shop bekannt und wird nun auf das Internet umgemünzt.
Im April 2004 trat ein Interessent über das Zeitungsinserat an mich heran, ob ich für sie (ein deutsches Pärchen, eingemietet im Innotech Center in Kufstein) Ware über das Internet verkaufen könnte. Das habe ich dann auch gemacht und es wurde von April bis Ende Juli 2004 sehr viel Ware (alte Spezialdrucker für den POS-Bereich bis hin zu Haushaltartikel und gegen Ende ein großer Posten an elektronischen Bauteilen) eingeliefert. Bei den Warenübergaben wurden mir immer wieder Geschäfte vorgeschlagen, bei denen ich mitmachen sollte, was jedoch nicht nach meinem Geschmack war. Erst das Geschäft mit tragbaren Magnetfeldtherapiegeräten erregte mein Interesse, dort sollte ich die Geräte über das Internet vertreiben, was für mich sehr lukrativ erschien. Anfang oder Mitte Juli 2004 zogen die beiden ganz plötzlich von Kufstein an den Chiemsee, da Österreich anscheinend für die Geschäfte der beiden nicht lukrativ genug waren. Mein letzter Kontakt mit den beiden war Ende Juli, als ich zum Chiemsee gefahren bin um das Internet im neuen Büro herzustellen, das war jedoch wegen versperrter Türe zum Serverraum nicht möglich. Ich zahlte dort wieder den Erlös aus den letzten Verkäufen in Bar aus und wurde dann mit einer ganz neuen Geschichte über die Magnetfeldtherapiegeräte informiert, denn ich sollte plötzlich mit 10.000,- Euro in Vorleistung gehen, damit der Produzent in Kroatien mit der Produktion beginnen kann. Von dieser Vorgangsweise sehr überrascht, erklärte ich dass davon nie die Rede war und dies für mich in keinster Weise möglich sei. Darauf hin erhielt ich eine sehr intensive Belehrung, dass dieses Projekt nun wegen mir gestört sei, man fix mit mir gerechnet hätte und die Enttäuschung sehr groß ist. Trotzdem erhielt ich wieder eine Ladung Bauteile mit.
Auf der Heimfahrt hatte ich dann grobe Bedenken und wollte jetzt mehr über diesen “Dipl. Ing. Georg Lutz” erfahren. Google zeigte mir sehr schnell, dass meine Bedenken nicht unberündet waren und als logische Konsequenz stellte ich mit sofortiger Wirkung am 30. Juli 2004 alle Verkaufstätigkeiten für die beiden ein.
Ein zuvor bei der Internetauktionsplattform eingerichteter Shop (er sollte schwer verkäufliche Artikel, längere Zeit und wesentlich kostengünstiger offerieren), wurde aus diesem Grund nicht befüllt, es waren also keine Artikel im Shop. Zu dieser Zeit gab der Shop “ohne Artikel” die Meldung “Leider keine Artikel verfügbar, alles verkauft!” ab, wenn man die Seite aufgerufen hat. Diese Meldung wurde ausgedruckt und die beiden gingen damit zur Polizei und stellten Strafanzeige “Wegen schweren Betrug”, da ich Ware im Wert von über 50.000,- Euro erhalten habe, alles verkauft habe und den Erlös nicht ausbezahlt habe.
So begann eine Odysee von 2004 bis 2010 in der mehrere Urteile von Bezirksgericht und Landesgericht gefällt wurden. In allen Verhandlungen wurde ich freigesprochen, die beiden haben immer Widerrufen und es ging weiter bis auf das letzte Urteil, dort hat der Richter dann anders entschieden und mich zur Zahlung von 33.000 Euro verurteilt.
Da ich wegen diesem Urteil zahlungsunfähig geworden bin, musste ich als logische Konsequenz vor 14 Tagen Insolvenzantrag am Landesgericht Innsbruck stellen.
Kuriosum am Rande:
- Wegen der Aussage dass die Ware über 50.000 Euro Wert sei, wurde das Landesgericht und nicht das Bezirksgericht damit beauftragt. Unterschied: Am Landesgericht ist ein Rechtsanwalt Pflicht. Dadurch entstand bei ersten Gesprächen und einer Verhandlung (Dauer ca. 15 Min.) eine Honorarnote von über 2.800 Euro.
- Mein Rechtsschutz (Vertragssumme 20.000,- Euro) lehnte die Beteiligung wegen Überschreitung des Streitwertes ab. Somit musste ich in Folge Verfahrenshilfe in Anspruch nehmen.
- Die so wertvolle Ware (über 50.000,- Euro) wurden von zwei gerichtlich beeideten Sachverständigen auf ca. 10.000 bis 12.000,- Euro geschätzt und als unverkäuflich deklariert.
- Die wertvolle Ware lagert seit 2004 bei mir im Haus, wurde 2005 vom Münchner Rechtsanwalt Lindner bei mir im Haus in einer öffentlichen Versteigerung gesteigert. Der Rechtsanwalt war ab dann Eigentümer der Ware, wollte aber nach Aufforderung im Jahr 2008 die Ware nicht abholen, da sie laut seiner Aussage nicht ihm gehöre sondern der Lebenspartnerin von Lutz.
- Der Kläger hat nach dem Urteil alle Versuche unternommen (natürlich auf Staatskosten und im Zuge der Verfahrenshilfe) um an das zugesprochene Geld zu kommen. Exekutionen in der Firma und Privat, Pfändung der Mieteinnahmen und Eintragung “Zwangsversteigerung” in allen Liegenschaften beim Grundbuch.
- Als weitere Möglichkeit wurde die Wiederaufnahme des Verfahrens beim Landesgericht Innsbruck beantragt, alle Verdächtigen im Betrugsverfahren sollten miteinander verstrickt sein und gegen die Beiden gemeinsame Sache machen. Das Landesgericht hat dies jedoch mit Bescheid vom Jänner 2011 in allen Punkten abgelehnt.
Mein Rat an alle Unternehmer, lasst immer Vorsicht walten, haltet Augen und Ohren offen und schätzt die Risiken und Nebenwirkungen von angebotenen, guten Geschäften über Bauch und Gehirn ab.
[...] können sich über die Ursachen meiner Insolvenz auf einer meiner Webseiten [...]
Wenn ich mir das durchlese, bestätigt sich meine Meinung über die Rechtssprechung
wieder einmal mehr.
Recht haben und Recht bekommen sind 2 Paar Schuhe oder Rechtsprechung und Gerechtigkeit liegen häufig weit auseinander.
Alles Gute für Deine Zukunft
Hallo Josef,
vielen herzlichen Dank für deine lieben Wünsche. Ich bin sehr zuversichtlich, dass es gut ausgeht. Ich bin nach wie vor die Nummer 1 als Ansprechpartner bei Computer Problemen.
liebe Grüße,
Karl-Heinz